Gen Z und Millennials gelten zu Recht als Treiber des neuen Beauty-, Gesundheits- und Wellnessmarkts. Sie tracken ihre Gesundheit, probieren neue Angebote aus und investieren viel in Prävention, Ernährung, Schlaf und mentale Gesundheit. Doch wer daraus schliesst, dass Consumer Health vor allem ein Markt für junge Menschen ist, übersieht einen entscheidenden Teil des Potenzials.
McKinseys Future-of-Wellness-Studie mit über 9000 Konsument:innen in Deutschland, Grossbritannien, den USA und China zeigt: In den USA priorisieren fast 30 % der Gen Z und Millennials Wellness heute deutlich stärker als noch vor einem Jahr, gegenüber 23 % bei den älteren Generationen.
Deloitte kommt in einer Befragung von über 7000 Konsument:innen in sieben Märkten inklusive Deutschland zu einem ähnlichen Ergebnis: 57 % der 18- bis 34-Jährigen suchen aktiv nach neuen Consumer-Health-Produkten und 55 % würden für innovative Produktformen mehr bezahlen.
Die andere Seite der Gleichung ist Demografie. Das Medianalter in der EU liegt inzwischen bei 45 Jahren. In Deutschland sind bereits ein Drittel der Bevölkerung 60 Jahre oder älter. Und diese Zielgruppe wächst weiter. Während jüngere Bevölkerungsgruppen langfristig schrumpfen, wird insbesondere die Zahl der Senioren und Hochaltrigen stark zunehmen. Auch wirtschaftlich sollte man diese Gruppe nicht unterschätzen. Die Silver Economy ist ein Wachstumsmarkt.
Natürlich ist dies auch in der Schweiz relevant. Die Schweiz gehört schon heute zu den Ländern mit sehr hohen Gesundheitsausgaben. Dabei geht es nicht nur um klassische medizinische Versorgung. Gerade rund um Healthy Aging, Prävention, Mobilität, kognitive Gesundheit, Ernährung, Schlaf, Diagnostik und selbstbestimmtes Leben entsteht ein wachsendes Feld für neue Angebote bei den Boomern und der Gen X.
Die Daten zeichnen damit ein differenzierteres Bild: Gen Z und Millennials sind die Innovations- und Adoptionstreiber und Gen X, Boomer und die wachsende ältere Bevölkerung bilden einen riesigen Health-Value-Pool.
Für das Consumer Health Marketing bedeutet das, nicht einfach die Mechanismen erfolgreicher Gen-Z-Wachstumsmärkte auf ältere Menschen zu übertragen, sondern zu verstehen, welche Gesundheitsbedürfnisse in welcher Lebensphase entstehen und wie unterschiedlich Menschen dabei angesprochen werden möchten.
Wenn Konsument:innen ab 60 Jahren rund einen Drittel der Bevölkerung ausmachen und ihre Kaufkraft noch grösser ist, sie aber weniger als einen Drittel für Beauty, Health und Wellness ausgeben, dann ist vielleicht genau das ein Zeichen für ungenutztes Potenzial bei Anbietern, die diese Zielgruppe besser verstehen, informieren und ansprechen wollen.
Vielleicht liegt der nächste grosse Wachstumsschub im Consumer-Health-Markt deshalb nicht nur darin, noch mehr Angebote für die Jungen zu entwickeln sondern darin, die Älteren genauso konsequent mitzudenken.
Quellen
McKinsey & Company, "The $2 trillion global wellness market gets a millennial and Gen Z glow-up", Mai 2025
Deloitte UK, "Decoding the modern health consumer", September 2025
Eurostat, "Population structure and ageing" / "Demography of Europe – 2026 edition"
Deloitte Deutschland, "Wachstumsmarkt Silver Economy: Wie shoppt die Generation 60+?